Egal ob bei der Karriereplanung als Mediziner oder bei den Überlegungen zu einer eigenen Ordination, klare Ziele vor Augen zu haben helfen einem den richtigen Weg einzuschlagen und seine Ressourcen optimal einzusetzen.

Von Daniel Izquierdo-Hänni, Referent für Medical Marketing und Patientenkommunikation. Gründer von www.swissmedicalmarketing.com

Nachdem ich vorgängig über die eigene Standortbestimmung geschrieben habe, folgt nun logischerweise die Frage nach dem „Wohin will ich?“ Egal ob persönliche Karriereplanung oder Praxisgründung respektive -übernahme, auch hier lohnt es sich mal in Ruhe hinzusetzen um sich ein paar Gedanken dazu machen. Nicht unwichtig dabei sind die Überlegungen betreffend der Life-Work-Balance, wobei dies ein anderes, schon philosophisches Kapitel wäre.

Zwei Dinge möchte ich in diesem kurzen Artikel präzisieren, wobei ich dabei vor allem an jene denke, die auf eigenen Beinen stehen wollen. Denn Ziele sind nicht gleich Ziele, wichtig ist die Unterscheidung zwischen kurzfristigen und langfristigen, sowie zwischen quantitativen und qualitativen Endabsichten.

Strategisch versus operativ

Nicht nur Radsport-Fans wissen, dass man die Tour de France nicht in einem Stück durchstrampelt, sondern dass diese aus einer Vielzahl an Etappen besteht. Wer am Schluss auf dem Siegerpodest stehen will muss seine Kräfte gezielt einsetzen und ein Teilstück nach dem anderen für sich gewinnen. Bei der Zukunftsplanung etwa einer Privatpraxis stellt sich somit einerseits die Frage, wo man sich in – sagen wir mal – fünf Jahren sieht, was man bis dann erreicht haben möchte? Möchte man sich einen Namen machen als der Facharzt in seiner Region? Oder möchte man, weil man ein Teammensch ist, zu einem Kompetenzzentrum werden, in welchem man die Praxis mit weiteren Kolleginnen und Kollegen teilt? Oder will man ganz einfach genug Geld verdienen um nur vier Tage die Woche zu arbeiten und den Rest seinem Hobby zu widmen? Ziele sind so vielfältig wie es Persönlichkeiten gibt, entsprechend gibt es hierdabei auch kein richtig oder falsch.

Setzt man sich ein langfristiges, also strategisches Ziel, so muss man sich gleichzeitig auch Gedanken zu kurz- und mittelfristigen Zwischenzielen machen. Und zwar nicht „einfach so“, sondern ganz konkret! Welche Schritte sind nötig um das Endziel zu erreichen? Welche Zwischenziele führen zur übergeordneten Vorgabe?

Ein Beispiel: Mit meiner neuen Praxis möchte ich langfristig als der Kinderarzt von meinem Umfeld wahrgenommen werden. Ziel erstes Jahr: Die Inneneinrichtung muss kindergerecht werden. Farbige Wände, lustige Möbel, Spielecke, usw. Ziel zweites Jahr: Sämtliche Praxismitarbeiter haben einen Kurs in Sachen Pädiatrie und Umgang mit Kindern besucht. Ziel drittes Jahr: Mindestens zwei Vorträge zu einem Gesundheitsthema in naheliegenden Schulen und/oder Tag der offenen Türe beim Onkel Doktor für die Kleinen. Viertes Jahr: Auftritt als Referent an einem Kindermedizinkongress. Solche Zwischenziele gibt es viele: Zusammenarbeit mit einer Ernährungsberaterin, medizinische Betreuung einer Kinder-Fußballmannschaft, besonders kinderfreundliche Homepage, etc.

Strategische Ziele erreicht man also nur über entsprechende Zwischenschritte, wobei diese Zwischenziele realistisch sein sollen. Setzt man die Messlatte zu hoch, so kann dies beim Team und bei sich selber zu Frustration und Demotivation führen. Also: Realtisch bleiben! Und: Fordern ja, überfordern nein!

Qualität versus Quantität

Die zweite, nicht weniger wichtige Unterscheidung bei den Zielen bezieht sich auf die Art der Vorgaben. Hier muss zwischen qualitativen wie quantitativen Zielen unterschieden werden. Letztere sind einfach zu definieren und, vor allem, zu kontrollieren, kann man diese Ziele doch ganz einfach zählen: Wieviel Neupatienten möchte ich im Monat? Wie hoch soll der Umsatz sein? Wie die Anzahl der Mitarbeiter/innen? Wieviel Prozent des Behandlungsvolumens soll einer konkreten Fachspezialisierung entsprechen?

Komplexer ist die Erfolgskontrolle bei den qualitativen Zielen wie etwa Bekanntheitsgrad, Positionierung, Patientenzufriedenheit oder Fachkompetenz. Wie kann man sicherstellen, dass man diese Wunschwerte auch wirklich erreicht? Die Antwort steckt wieder in den Zwischenzielen, und im Vorgehen diese qualitativen Vorgaben in messbare, quantitative Ziele umzubrechen. Hierzu wiederum ein Beispiel…

Qualitatives, langfristiges Ziel: Die Patienten meiner Praxis sollen überdurchschnittlich zufrieden sein! Messbare, quantitative Zwischenziele könnten sein: 80% der Neupatienten bleiben unserer Ordination treu, 30% der Patienten bringen innerhalb einer bestimmten Zeitperiode einen Bekannten oder Verwandten als Neupatienten in die Praxis. Bei einer Patientenumfrage bewerten uns mindestens 9 von 10 mit fünf Sternen. Wir verzeichnen nicht mehr als zwei Beschwerden pro Jahr. Und auch hier gibt es eine Vielzahl an Indikatoren, die einem helfen zu wissen, ob die Patienten wirklich überdurchschnittlich happy sind.

Also, so wie es empfehlenswert ist gelegentlich mal eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation zu machen (Stichwort SWOT-Analyse), so lohnt es durchaus in sich zu gehen und zu überlegen, welche Ziele man in seinem (Berufs-) Leben hat und wie man diese erreichen möchte.

Übung zum Thema Ziele

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