Sich der aktuellen Situation – und zwar seiner eigenen wie auch jener, in welcher man zu agieren gedenkt – klar bewusst zu sein ist gerade dann von besonderer Bedeutung, wenn man über seine berufliche Zukunft und/oder einer Selbständigkeit Gedanken macht.

Von Daniel Izquierdo-Hänni, Referent für Medical Marketing und Patientenkommunikation. Gründer von www.swissmedicalmarketing.com

Wer sich Gedanken über seine berufliche Zukunft respektive über eine Praxisgründung macht, tut gut daran sich zuerst seiner eigenen Lage klar zu werden. Denn nur wer weiß, welches seine Stärken und – beinahe wichtiger – seine Schwächen sind, wird die richtigen Entscheidungen treffen können. Das gleiche gilt für das Umfeld, in welchem man sich als zukünftiger Arzt respektive Praxisinhaber wird entwickeln wollen: Welches sind die Trends? Welche die wichtigsten Keyplayer? Was kann auf mich zukommen?

Egal ob man sich Gedanken über die Schritte in die berufliche Zukunft macht, oder ob man bereits mit einer eigenen Praxis tätig ist, um seine Lage analysieren zu können braucht es lediglich zwei Dinge: Etwas Zeit und die Fähigkeit der Selbstkritik. Für all jene, die bereits sind diese beiden Aspekte einzubringen gibt es einfache jedoch durchaus interessante Vorgehensweise um eine Bestandsaufnahme durchzuführen: Die sogenannte SWOT-Analyse.

Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen

Der Begriff „SWOT“ setzt sich aus den vier englischen Begriffen „strengh“, „weakness“, „opportunities“ und „treaths“ zusammen. Dabei werden in vier Schritten sowohl die eigene Lage wie auch die allgemeine Situation erfasst. Besonders nützlich ist dieses Vorgehen für all jene, die daran sind eine Praxis zu gründen respektive eine zu übernehmen. Aber auch für solche, die wieder mal wissen wollen, wo sie mit ihrer Ordination stehen.

Erster Schritt: Welches sind Ihre Stärken als Arzt? Und zwar nicht nur im medizinischen Sinne… In welchem Fachbereich haben Sie sich besonders weitergebildet? Welche medizinischen Themen interessieren Sie besonders? Haben Sie zudem spezielle „soft skills“ wie etwa Empathie oder Humor? Sind Sie vielleicht ein besonders guter Kommunikator oder Motivator? Oder sind Sie auch Mitten im größten Stress die Ruhe in Person?

Zweiter Schritt, und jetzt gilt es ehrlich mit sich selber zu sein: Welches sind Ihre Schwächen? Und zwar als Arzt wie auch als Mensch? In welchen Bereichen der Medizin sind Sie unsicher? Welche Disziplin der Medizin liegt Ihnen einfach gar nicht? Wo hat man fachliche Wissens- und Erfahrungslücken? Welches sind Ihre menschlichen Schwächen? Haben Sie vielleicht wenig Geduld mit Ihren Patienten (und Mitarbeitern)? Vertragen Sie keine Kritik? Wollen Sie immer Ihre Meinung durchsetzen? Oder können Sie einfach nicht nachvollziehen, dass sich bestimmte Patienten eigentlich keinen Deut im ihre Gesundheit kümmern und von Prävention (im weitesten Sinne) nichts halten?

Dritter Schritt: Welche Chancen und Möglichkeiten bietet das Umfeld, in welchem Sie sich gerade befinden? Steigt vielleicht in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Gesundheit und die Medizin? Gibt es gesellschaftliche, mediale und medizinische Zukunftstrends, von denen Sie überzeugt sind? Wird im Bezirk oder im Dorf, in welchem Sie sich gerne als Arzt niederlassen möchten, der eine oder andere Kollege in Rente gehen, so dass sie seine Patienten übernehmen könnten?

Vierter Schritt:  Wo sehen Sie Bedrohungen in Ihrem Umfeld, die Ihnen die Arbeit als Arzt werden schwer machen können? Gibt es Probleme mit bestimmten Kassen? Sehen gesetzliche Verschärfungen an, die den Alltag in der Praxis umständlicher machen könnten? Bedroht vielleicht die Telemedizin die normalen Ordinationen?

Alles klar im Kopf

Für die Durchführung einer SWOT-Analyse nimmt man sich ein am besten vier separate A4-Blätter und schreibt alles auf, was einem in den Sinn kommt. Auch jene Gedanken, die vielleicht doof, dämlich oder nebensächlich klingen – ganz nach dem Motto „lieber zu viel als zu wenig“. Bewerten Sie in einem zweiten Schritt alle niedergeschriebenen Ideen nach deren Bedeutung, wobei das Ziel darin besteht klare Prioritäten zu setzen. Welche Aspekte sind besonders relevant? Welche sind weniger wichtig? Und welche, schlussendlich, doch nebensächlich?

Das Ziel dieser Situationsanalyse besteht darin eine Übersicht zu bekommen und Klarheit im eigenen Kopf zu schaffen. Denn weiß man mal wirklich, welches der Stand der Dinge und welches die entsprechenden Prioritäten sind, so ist man schon mal einen guten Schritt weiter.

SWOT-Analyse als Download

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