Gerade bei jungen Medizinern ist die Frage nach Sinn oder Unsinn einer Praxishomepage absolut überflüssig. Ohne Präsenz im Internet existiert man heute ganz einfach nicht! In diesem Sinne lediglich ein paar Gedanken und Inputs für all jene, die eine Website planen oder bereits betreiben.

Von Daniel Izquierdo-Hänni, Referent für Medical Marketing und Patientenkommunikation. Gründer von www.swissmedicalmarketing.com

Drei Gründe für einen Webauftritt

Es gibt unter den niedergelassenen Ärzten respektive älteren Medizinern immer noch solche, die ohne Website auskommen, oft auch gar nichts davon wissen wollen. Für solche jedoch, die sich ihren Platz im Gesundheitswesen erst noch erstreiten müssen, ist eine Homepage zwingend. Und zwar aus drei Gründen…

Erstens: Die Mund-zu-Mund Propaganda ist zweifelsohne die beste Art der Werbung. Doch genau gleich, wie wenn man ein gutes Restaurant empfohlen bekommt und man in Folge dieses im Internet sucht, dient auch die eigene Website dazu die Mund-zu-Mund Propaganda zu unterstützen.  Gefällt einem was man sieht, so verstärkt dies das Empfehlungsmarketing, wird man im Internet gar nicht gefunden, so verpufft die persönliche Weiterempfehlung mit großer Wahrscheinlichkeit.

Zweitens gibt es vor allem in Großstädten und Agglomerationen immer mehr Zuzügler, Expads und Menschen, die über Google auch einen Arzt oder ein Krankenaus suchen. Hinzukommen die Internetvergleichsportale, die ebenfalls immer beliebter werden, und bei denen eine Verlinkung zwingend ist. Beispiele sind etwa Docfinder.at, Arztsuche24.at oder die Website der Österreichischen Ärztekammer. Last but not least hat eine attraktive Homepage auch den Zweck die bestehenden Patienten an sich zu binden. Sie sollen, wenn sie einen Blick auf die entsprechende Site werfen, im Stillen zu sich sagen: „Ja, das ist mein Arzt!“

Online- versus Content-Marketing

Bei Kongressen und Seminaren dreht sich heute alles um das Schlagwort „SEO – Search Engine Optimization“: Was kann man tun, damit die eigene Website auf Google so weit oben wie nur möglich gelistet wird? Die Suchmaschinenoptimierung ist zweifelsohne wichtig, doch gibt es ein paar Dinge, die man sich schon bei der Gestaltung des eigenen Internetauftrittes gut überlegen muss.

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, nachfolgend ein paar Beobachtungen und Überlegungen zu diesem Thema…

Eins: Es gibt eine Vielzahl an Angeboten und Programmen, über welche man seine eigene Homepage relativ einfach selber gestalten kann. Stichworte 1&1 oder Wordpress. Da diese mit Standard-Vorlagen und Masken arbeiten, sollte man sich zwingend die Mühe nehmen die eigene Positionierung respektive die Persönlichkeit seiner Praxis trotzdem einfließen zu lassen. So lohnt es sich zweifelsohne wirklich gute Fotos machen zu lassen, und zwar nicht nur von sich selbst, sondern auch vom Team, der Praxis sowie den Patienten. Nicht selten werden Fotos aus (kostenlosen) Bilddateien ausgewählt, die von anderen Kolleginnen und Kollegen ebenfalls verwendet werden. Dies ist einer der Gründe, weshalb sich die Internetseiten gleichen wie ein Ei dem anderen.

Zwei: A propos Fotos… Es gibt nichts Langweiligeres und Belangloseres als die typische Fotogalerie, in denen nur die Räumlichkeiten, die Möbel und die (medizinischen) Apparaturen einer Praxis zu sehen sind – ohne eine Menschenseele weit und breit. Um solch blutleere Fotos zu vermeiden fragen Sie doch Ihre Familie und Freunde ob sie bereit wären bei einer Fotosession als Statisten Leben in die Aufnahmen zu bringen.

Drei: Wie in der Werbung gilt auch bei der Website in Sachen Texte die vielleicht etwas politisch unkorrekte Formel „KISS – keep it simple and stupid“. Verfassen Sie die Texte so, dass sie von medizinischen Laien auch gut verstanden werden. Einfach und klar, ohne medizinische Fachbegriffe. Halten Sie die Texte auch hier knapp, bringen Sie das, was Sie sagen wollen auf den Punkt. Wobei gerade das Internet als interaktives Medium hier die Möglichkeit bietet auf mehreren Ebenen zu arbeiten.

Vier: Genau diese Interaktivität sollte bei der Gestaltung des Webauftrittes voll genutzt werden, nicht nur weil diese die Verweildauer auf der Homepage verlängert. Nehmen wir das Beispiel der Vorstellung des Praxisteams. In einer Broschüre etwa geht es nichts anders als alles auf die gleiche Seite zu nehmen, im Internet kann man die Informationen über mehrere Ebenen dosieren. Zuerst Portrait-Foto, Name und Berufsbezeichnung, mit einem Klick öffnet sich dann die Untersite mit ausführlicheren Informationen zur Person, zum Werdegang und zu den Aufgaben. Und mit einem weiteren Klick öffnet man entweder das Profil auf Xing oder die persönliche Email etwa im Outlook. Nicht wenige versuchen all diese Informationen gleich auf die erste Web-Ebene zu quetschen – unnötigerweise.

Fünf: Außer Sie haben einen professionellen Content-Manager engagiert, sollten Sie auf aktualitätsbezogene Formate (Blog, News, Integration Facebook) verzichten. Mag sein, dass Sie sich zu Beginn den guten Vorsatz nehmen sich regelmäßig um ein Update zu kümmern, mit der Zeit wird Sie jedoch das Daily Business immer mehr in Beschlag nehmen, so  nimmt, so dass Sie weder Zeit noch Lust haben werden sich nach Feierabend hinzusetzen um einen neuen Blog-Eintrag aus dem Finger zu saugen. Und was interpretieren die User, wenn sie einen Newsbeitrag lesen, der schon sechs Monate alt ist? Entweder, dass die Praxis nicht läuft, oder dass sie ganz eingegangen ist.