Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Ökonomisierung, sowie die Privatisierung im Gesundheitswesen stetig voranschreitet. Welche Probleme daraus folgen, lässt sich insbesondere in einer Krise wie der Aktuellen ablesen. Doch schon vor Corona war es die junge Ärztegeneration, die sich für Veränderungen stark gemacht hatte. Im Fokus: die eigene Lebensentfaltung und mehr Zeit, um Patienten zu behandeln.

Bis vor Kurzem war die Welt noch okay. Fühlte man sich krank, etwa weil einem Fieber und Husten das Leben schwer machten, ging man einfach zum Arzt. Selbstverständlich erwartete jeder Patient, entsprechend umgehend behandelt zu werden. Schutzausrüstung in den Arztpraxen war zwar vorhanden, wurde im Regelfall bei klassischen Infektionskrankheiten aber nur selten eingesetzt. Mit Corona im Nacken zeigt sich andererseits jedoch, dass es gerade bei den Ärzten vor Ort einen Mangel an nötiger Schutzausrüstung gibt. Dies ist allerdings kein neues Phänomen.

Dabei streitet im Besonderen die junge Generation unter den Ärzten für eine Veränderung. Denn diese sind hoch motiviert und wollen sich absolut der ärztlichen Versorgung von Patienten hingeben. In diesem Bezug spielt jedoch nicht nur der persönliche Schutz eine Rolle. Sondern ebenso die allgemeinen Arbeitsbedingungen. Das ein Arzt heute nicht zwingend eine 40- oder 50-Stunden-Woche, sondern meist deutlich mehr hat, wird als selbstverständlich angesehen. Schließlich hat der Mediziner sein Tun in den Dienst der Menschlichkeit gestellt und nicht seine Arbeitszeit. Ist es einmal 17:00 Uhr, lässt sich die ganzheitliche Haltung den Erkrankten gegenüber nicht einfach vergessen.

Insofern scheint es nötig, das klassische Bild des Arztes zu überdenken. Denn es gilt das ärztliche Handeln zu sichern. Schließlich braucht es Mediziner, die sich mit dem Menschen beschäftigen und patientenzentriert arbeiten. Denn jedes Individuum hat eine eigene Geschichte, die es im Kontext der medizinischen Leistung zu beachten gilt.

Spricht man allerdings mit jungen Ärzten an Krankenhäusern, kommen diese sich viel mehr als ein Zahnrad im großen Ganzen des Krankenhausuhrwerks vor. Ziel: Umsatz generieren. Das bedeutet jedoch, dass der Arzt da ist, um bestimmte Prozesse in engen zeitlichen Gefügen abzuleisten. Zwar zeigt sich in der aktuellen Coronakrise, dass immer mehr Spitäler Dienstfreistellungen für Risikogruppen umsetzen. Dennoch reiht sich Prozess an Prozess.

In der Privatwirtschaft äußert sich das im Krankenhaus etwa in der Diagnostik samt Anamnese, Untersuchungen, der Behandlung und letztendlich der Entlassung. All diese Einzelprozesse werden ständig optimiert, um eine wirtschaftliche Kosten-/Nutzen-Relation zu erhalten. Letzteres ist jedoch aus der Sicht der Ärzte im Allgemeinen eine Katastrophe. Denn diese liegen im ständigen Clinch mit dem Berufsethos und den ökonomischen Zwängen.

Gerade die jungen Ärzte sehend das Funktionieren des Systems einzig in der Leidenschaft, die sie und ihre Kollegen einbringen. Denn prinzipiell haben Mediziner an Krankenhäusern heute zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten. Wird dennoch die Zeit genommen, einen Patienten über das Für und Wider seiner Behandlung aufzuklären, muss diese Zeit in den meisten Fällen an die Kernarbeitszeit angehängt werden, um das Soll zu schaffen.

Neben Zwängen, die aufgrund des Abrechnungssystems bestehen, für das immer wieder Patienten aus Sicht der Gewinnoptimierung zu früh nach Hause geschickt werden, Stichwort „blutige Entlassung“, arbeiten viele Krankenhäuser am Limit. Hinzukommt, dass Weiterbildungen viel zu kurz kommen, da es schlicht keinen Rahmen dafür gibt.